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Zum Frontal 21 Beitrag vom 18.06.2019

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

In einem Frontal 21 Fernsehbeitrag, ausgestrahlt am 18.06.2019, wurde über den Germanwings Absturz berichtet. Frontal 21 hat nach eigener Aussage den Anspruch Missstände aufzudecken, Diskussionen anzuregen und bestimmten Themen auf den Grund zu gehen. Aber der gesendete Beitrag zeigte genau das Gegenteil. Themen waren schlecht recherchiert und Aussagen falsch, wie nachfolgende Beispiele exemplarisch aufzeigen.

Cockpittüre von innen verriegelt https://andreas-lubitz.com/de/2018/08/

In dem Beitrag wird die Aussage gemacht: “ Andreas Lubitz sass minutenlang alleine im Cockpit, hatte die Türe von innen verriegelt, den Flugkapitän ausgeschlossen“.

Wie wir bereits im August 2018 aufzeigten, hatte Andreas Lubitz nachweisbar die Cockpittüre nicht von innen verriegelt. Bemerkenswert ist aber, dass sie von Besatzungsmitgliedern nicht von aussen geöffnet werden konnte, trotz bekanntem Notfallcode, der im Bedarfsfall, wenn z. B. die Tür von innen nicht geöffnet wird, am Keypad der Cockpittüre eingegeben werden kann. Herr van Beveren, der in unserem Auftrag ein Gutachten über den Germanwings Absturz erstellte, hatte erfahren, dass es kurz nach dem Unfall Hinweise, aus Kreisen der Germanwings, gab, dass dieses Keypad bereits zu einem früheren Zeitpunkt eine Fehlfunktion beim Versuch die unbeabsichtigt zugefallene Cockpittür am Boden durch Eingabe des Notfallcodes zu öffnen, aufwies. Dies ist ein wichtiger Hinweis, dem man doch vielleicht einmal hätte nachgehen sollen.

Depressionen https://andreas-lubitz.com/de/2017/09/

In dem Beitrag heisst es: „Andreas Lubitz auf den ersten Blick sportlich und fit, litt an Depressionen, Schlaf- und Angststörungen“. Zum Zeitpunkt des Absturzes litt Andreas nicht unter Depressionen, wie Staatsanwalt Kumpa abschliessend feststellte.

Im Abschlussvermerk des Düsseldorfer Staatsanwaltes steht: „Zum einen liegen nach dem Ergebnis der Ermittlungen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass Andreas Lubitz zum Zeitpunkt seiner Einstellung als Flugbegleiter und später als Pilot bei der Germanwings psychisch krank war.“ Und weiter wird festgestellt: „Keiner der 2014/2015 behandelnden Ärzte – seien es psychiatrische Fachärzte oder sonstige Mediziner – hat bei Andreas Lubitz zu diesem Zeitpunkt eine Depression diagnostiziert. Außerdem hat kein Arzt und Therapeut Suizidgedanken festgestellt bzw. vom Patienten berichtet erhalten. Auch lagen keine Hinweise auf ein fremdaggressives Verhalten vor.“ https://andreas-lubitz.com/de/2019/01/

Andreas Lubitz litt somit zum Zeitpunkt des Absturzes nicht unter Depressionen.

Tatsächlich wurde Andreas von November 2008 bis April 2009 wegen einer Depression behandelt, also 7 Jahre vor dem Absturz, und hatte dies zuvor seinem Arbeitgeber auch gemeldet. Nach seiner Genesung setzte er 2009 seine Ausbildung, in Absprache mit der Flugschule, nach einem Neustart erfolgreich fort. In allen bisher gesendeten Beiträgen, einschließlich dem von Frontal 21 (hier durch einen Angehörigen), wird immer davon gesprochen, wie jemand mit einer solchen Erkrankung ins Cockpit gelangen konnte.

Hier sei noch einmal in aller Deutlichkeit gesagt, dass Andreas 2009 vollständig genesen war, sonst hätte er seine Ausbildung gar nicht erst wieder aufnehmen können. Einmal ganz zu schweigen davon, dass wir als Eltern das nicht zugelassen oder gar unser Kind geopfert hätten.

Die mögliche Ursache für seine Augenproblematik 2014/2015 haben wir versucht in einem Beitrag vom Oktober 2017 zu erläutern, siehe unter https://andreas-lubitz.com/de/2017/10/

Da es jeden Flugreisenden direkt betreffen kann: Sollte der dort beschriebenen Thematik der Zivilluftfahrt nicht doch mehr öffentliche Beachtung geschenkt werden?

Abschliessende Bemerkung

In dem Frontal 21 Beitrag wird über sogenannte notwendige Konsequenzen gesprochen.

So wird aufgeführt, dass 2015 das Vier-Augenprinzip 2015 eingeführt und zwei Jahre später nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit wieder abgeschafft wurde. Des Weiteren fordern die französischen Ermittler in ihrem Abschlussbericht klare Regeln für Ärzte, ob und wann es notwendig ist, die Schweigepflicht zu brechen, ohne dass sie juristische Konsequenzen fürchten müssen. Das sei bisher nicht geschehen kritisiert Rechtsanwalt Ulrich von Jeinsen, der Angehörige vertritt. Offenbar sehen die verantwortlichen Behörden da keinen Handlungsbedarf und halten die geforderten Massnahmen (auch von den Angehörigen) für nicht zielführend. Nun gut, vielleicht wäre es dann eine geeignete Massnahme, die wahren Absturzgründe doch noch einmal woanders zu suchen.

Alles in allem war dieser Beitrag von Frontal 21 schlecht recherchiert, nur ein erneutes Aufwärmen bereits kommunizierter Inhalte, überhaupt nicht zielführend und somit völlig überflüssig.

L.U.

weiterer Beitrag:

Umfassende Untersuchungen der Absturzursache?